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Malaga:Malagueños gehen im Sommer nach Benalmádena
Ortswechsel zum Jachthafen in Benalmádena-Costa. Hierhin verlagert sich im Sommer ein Großteil des Nachtlebens der Provinzhauptstadt. Wer sich die etwas teureren Kneipen und Discos im Hafen leisten kann, lässt sich hier eine frische Brise um die Nase wehen. Auf einer der vielen Sommer-Terrassen oder zumindest beim häufigen Standortwechsel von einer Disco-Bar in die andere.
Breitschultrig säumen José und Juan den Eingang zum Maracas. Porteros, Türsteher, sind wichtig im Partyleben. Vor allem aber sehen sie wichtig aus: Knopf im Ohr für die Verständigung mit den Kollegen, die schwarze Einheitstracht betont den Ernst der Sache. Dabei trägt Juan ein breites Grinsen zur Schau: „Hier im Maracas geht es ruhig zu, zumindest in Bezug auf Stress und Prügeleien." Ansonsten kann man das nicht behaupten, denn schon am Eingang staut es sich. Jeder bekommt eine Teilnahmekarte für das Gewinnspiel in die Hand gedrückt. Ein T-Shirt für die chica und Bade-Shorts für den Herrn mit dem Emblem einer Whisky-Marke locken. Das Spielchen trägt über anfängliche Schüchternheit hinweg und sorgt schon für erste Kontakte. Denn darum geht es schließlich: „Ich langweile mich nie in meinem Job, es gibt doch viele gut aussehende Mädels", bestätigt Juan. In der Zona Puerto, dem Ausgehrevier am Sporthafen von Benalmádena, ist das nicht anders als anderswo. Das Maracas ist einer der größeren Schuppen hier. Drei Tanzflächen, jede Menge Bars und die Sommerhits in voller Lautstärke: Das hilft beim Anbändeln, denn wenn man jeden Satz dreimal ins Ohr schreien muss, geht der Gesprächsstoff nicht so schnell aus.

Lustige Strohhalme und gesprächige Jungs
An die Bar im La Cubana locken erst mal die langen bunten Strohhalme mit lustigen Figuren drauf. Eine große überdachte Terrasse mit runder Bar in der Mitte, bunte Lichtspiele sorgen für Frohsinn. Die Musik unterscheidet sich höchstens in der Reihenfolge der Titel von anderen Locations - éxitos del verano, Sommerhits, sind eben angesagt. Flamenco und Salsa-Rhythmen sollen die Hüften schwingen lassen, und bei den Texten fällt auch Nicht-Spaniern das Mitgrölen kaum schwer. Getanzt wird allerdings eher sporadisch, die Kommunikation, so schwer sie auch fällt, ist das A und O. Zum Tanzen allein kommt keiner an den Sporthafen.
Die typischen buitres - sehen wir etwa so aus?" Salva tut empört. Ein Buitre ist ein Geier, im Jargon der Partywelt ein junger Mann, der sich ohne Rücksicht auf Verluste auf jede chica stürzt. „Guck dir die an, wenn du buitres sehen willst!" Salvas Kumpel Carlos weist auf eine Gruppe, in der die Jungs um die Mädels herumtänzeln und im Gespräch stets die Möglichkeit finden, sie irgendwo anzutatschen. Aber auch Salva und Carlos lassen sich nicht davon abhalten, für die Mädels eine copa (Longdrink) nach der anderen anzuschleppen. Alles andere wäre unter spanischer Männerwürde. Im echten Leben ist Carlos Anwalt beim Roten Kreuz, und Salva hat einen lukrativen Job bei einem Internet-Musikunternehmen. Die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit: Salva wohnt in Torrox, Carlos verbringt dort seine Sommerferien. Wie viele Städter haben seine Eltern eine Wohnung am Meer, in der die Sommerzeit verlebt wird. Und die Abende gehören der marcha, dem Partyleben. Salva und Carlos haben fast die ganze Costa del Sol durch. „In Torrox ist nichts los. Torre del Mar ist nicht schlecht, wir fahren auch nach Fuengirola und Marbella." Aber Benalmádena ist zur Zeit Favorit: „Hier ist das beste Ambiente, viele Leute, und die Bars machen spät zu, so um fünf."

Botellón und chupitos Auch das großstädtische Nachtleben in Málaga beginnt meist nicht vor Mitternacht. Erste Anlaufstelle für viele Nachtschwärmer ist die Plaza de la Merced. Hier wird noch immer der viel diskutierte Botellón zelebriert. In Plastiktüten schleppen die Jugendlichen Becher, Eiswürfel und hochprozentige Getränke an, die dann gemeinsam mit Freunden konsumiert werden.
Auch auf der Plaza Mitjana in der Nähe der Calle Larios geht es hochprozentig zu. Allerdings genießen die größtenteils zwischen 25- und 35-Jährigen die feuchten Gaumenfreuden lieber aus Long-Drink-Gläsern aus einer der umliegenden Cocktail-Bars. Etwas ruhiger kann man sich auf das Nachtleben in der alteingesessenen Bodega El Pimpi in der Calle Granada einstimmen. Der süße Málaga-Wein wird hier ausschließlich in Flaschen serviert und hat schon allerlei Prominenz in das urige Weinlokal gelockt. Zwischen zwei und drei Uhr strömen die Partyhungrigen dann in die über die ganze Altstadt verteilten Bars. Dort geht es meist recht eng, heiß und laut zu. Sitzgelegenheiten sucht man vergebens. Es wird getanzt statt getrunken - mit einer Ausnahme: das Todo 100 in der Calle Rámon. Aus einer der etlichen Schnapsmischungen, die über sämtliche Wände verteilt angepriesen werden, sucht man sich seinen Chupito (von chupar: lecken) aus, der dann in einem Zug getrunken wird. Der Preis: früher 100 Pesetas, heute 0,60 Euro.
Beliebter Anlaufpunkt besonders für ausländische Studenten und junge Urlauber ist das Liceo in der Calle Beatas. Bei internationaler Chartmusik wird hier auf zwei Etagen in historischem Gemäuer getanzt und geflirtet. Wenige Meter weiter befindet sich eine der wenigen Bars, in der sich die Plattenteller im elektronischen Rhythmus drehen: das Level. Etwas alternativer geht es im Abisinia, ebenfalls in der Calle Beatas, und in den Kneipen rund um die Plaza San Pedro de Alcántara zu, zum Beispiel im Zepelin. In den meisten anderen Bars werden die Hüften zu spanischen und lateinamerikanischen Rhythmen bewegt, so etwa im Salsa an der Plaza Uncibay oder im La Habana in der Calle Granada. Und wenn die müden Beine noch tragen, geht es in den Diskotheken Cosa Nostra in der Calle Convalecientes oder im Gabana in der Avenida de Colón bis zum Morgengrauen weiter.