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 „Die Gitarre hat die Malagueñas erfunden"
Zu der Untergruppe der Fandangos gehören auch die Tarantos und Tarantas. Beide Gesangsformen stammen aus dem Osten Andalusiens, aus der Gegend um Almería. Sie sind miteinander verwandt. Aber nur der Taranto eignet sich auch als eine tanzbare Variante.
An der Costa del Sol haben sich die Malagueñas einen Namen gemacht. Sie findet man zwischen den Städten Velez-Málaga und Fuengirola sowie landeinwärts bis in die Berge von Málaga und in der Region von Álora. Der Sänger Juan Breva hinterließ dort schon 1884 seine ersten Spuren, bis heute sind sie unvergeßlich. Sein Gesangsstil war freundlich, traf mitunter auch messerscharf direkt in die Herzen seiner Zuhörer. Unvergessen auch der heitere, mit großen Gesten beladene Stil des El Canario. Don Antonio Chacóns Stil war elegant und einfach, gleichzeitig aber auch ausdruckvoll. Die Künstler La Rubia, El Niño de San Roque, Concha la Peñaranda, El Alpargatero, La Trini und Fosforito beeinflußten die Malagueña ebenfalls nachhaltig. Von der Malagueña wird gesagt: „Es war die Gitarre, die sie erfunden hat." Die Malagueña del Mellizo erhielt ihren Namen vom Künstler Enrique del Mellizo, dessen Vorliebe für die religiösen Gesänge seinen eigenen Stil beeinflußte.

Verdiales aus Almogía: „Grün und energiegeladen"
Die aus dem nicht weit hinter Málaga entfernten Bergdorf Almogía stammenden Verdiales werden jedes Jahr ausgiebig Anfang August gefeiert. Dann gibt es ein großes Tanz-Festival mit Musikgruppen und die Präsentation von drei verschiedenen lokalen Verdiales-Stilen: Almogía, Montes und Comares. Der Fluß Campanillas teilt die Herkunft der Drei in zwei Hälften. Von der Ostseite des Flusses, nahe Málaga, kommt der Montes-Stil. Er wird hauptsächlich vom Tamborin bestimmt. Die beiden anderen erkennt man an den Violinen. „Verdial" kommt aus dem lateinischen „virilis" und vereint die beiden Begriffe „grün" und „energiegeladen". Davon kann man sich auch beim großen Verdiales-Festival am 15. September in Torre de Benagalbón (Rincón de la Victoria) überzeugen.
Etwas weiter in Richtung Ronda warten die „Rondeñas" darauf, ausgiebig zelebriert zu werden. Sie basieren auf dem Gesang der immer wiederkehrenden Begebenheit, in der der Liebhaber allein und nur begleitet von einer Gitarre in silbernen Nächten seiner Liebsten ein Ständchen vor dem Fenster bringt. Die Rondeña war ein sehr gekünstelter Tanz, der dem romantischen Ausdruckscredo näher stand als dem heutigen Flamenco. Umfassend beschrieben wird die Rodeña von Bernard Leblon in seinem neuen, in deutscher Sprache erschienenem Buch „Flamenco". Mit der beiliegenden Musik-CD erhält der Musikfan außerdem die Chance, verschiedene Stile anzuhören und miteinander zu vergleichen. Einige der historischen Aufnahmen stammen direkt aus dem privaten Archiv des Autors.
Zu der dritten Hauptgruppe des Flamenco wird der Flamenco-Chico gezählt, zu dem wiederum die tanzbaren Bulerías gehören. Festgesänge, die wegen ihrer Geschwindigkeit von bis zu 240 Schlägen pro Minute für die Musiker einer der schwierigsten Flamenco-Stile sind. Erkennbar ist die Bulería oft an dem in einer bestimmten Lautfolge eingeleiten Gesang: „trajilitrajilitraji". Diese Silben oder Silbenfolgen haben keine bestimmte Bedeutung, sie haben eine rein rhythmische oder ausdrucksstarke Funktion. An der Costa del Sol sind wohl am bekanntesten die Bulerías aus La Repompa de Málaga.