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Im Jahr 1880 gründete die Stadt Málaga eine Baugesellschaft und legte mit dem Kauf des Hauses Nummer 28 an der Plaza de la Constitución den Grundstein für den Bau einer Straße, die den Weg zum Hafen öffnen sollte. Bei dem Versuch, auch private Investoren für das Projekt zu begeistern, stieß der damalige Bürgermeister auf eine Industriellenfamilie, deren Namen bis heute eng mit der Stadt Málaga verbunden ist: Die Familie des Marqués de Larios hat nicht nur die nach ihr benannte Straße, sondern auch viele andere Projekte der Stadt gefördert und ist bis heute Besitzer zahlreicher Gebäude in der Innenstadt von Málaga.Im Jahr 1887 unterschrieb die Gesellschaft Hijos de Larios einen Vertrag mit der Stadt, nach dem sie allein verantwortlich für die Ausführung der Bauarbeiten zeichnete. Die Bedingung: die Fertigstellung der Straße und deren Gebäude in einem Zeitraum von vier Jahren und die Bereitstellung von 4.800 Quadratmetern Land für die Stadt. Die Frist von vier Jahren wurde eingehalten und am 27. August 1891 wurde die Calle Larios offiziell eröffnet.Sechs Jahre später erfolgte die erste Beleuchtung. Die ersten Geschäfte und Cafés, darunter viele, die heute noch ansässig sind, wurden rasch zum Treffpunkt der Bürger aus Málaga. Historiker bezeichnen den Bau der Calle Larios als das „wichtigste architektonische Werk des 19. Jahrhunderts.“ Mit dem weiteren Ausbau und der Eröffnung für den Autoverkehr verlor die Straße im Laufe der Jahre viel von ihrem früheren Glanz. Sabine Schulz / Málaga (Cost del Sol Nachrichten)

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Die Calle Larios im neuen Kleid - Malagas erste Adresse, Laufsteg für Patrioten und Gute Stube der Stadt  Spanien Aktuell

Alle waren sich einig - die Neugestaltung der Calle Larios, Malagas beliebter Flanierstraße, war eine gute Idee. Nicht ein negativer Kommentar von Geschäftsleuten und Politikern, kein Wenn und Aber wurde bei der Einweihung am 14. Dezember laut. Aus der ewig verstopften Verkehrsarterie wurde ein breiter Boulevard. Damit bekamen die anliegenden Geschäfte eine neue Chance. Unter diesem Gesichtspunkt ist sie Beginn für ein progressives und integrales Projekt, das eines Tages zur autofreien Zone in der gesamten Altstadt führen wird.
Um das zu erreichen, hat die Calle Larios keineswegs ihren bisherigen Charakter verändern müssen. Dafür sorgen die ehrwürdigen großbürgerlichen Fassaden rechts und links. Aber vor allem dem guten Geschmack der Stadtväter ist es zu verdanken, dass hier diesmal keine „Modernisierung" stattgefunden hat, wie wir das in Malaga schon öfter beobachtet haben. Man sehe sich als Beispiele dafür nur den Marine-Platz am Beginn der Straße, oder den Flußpark an der Guadalmedina-Mündung an...
Bürgermeister Franzisco de la Torre platzte am Tag der Eröffnung vor Stolz fast aus den Nähten. „Die Wirklichkeit hat unsere Vorstellungen weit übertroffen", freute er sich. „Die Neugestaltung der Straße ist ein wichtiger Impuls für die Verkehrsberuhigung der gesamten Altstadt". An Werktagen wurde sie von 16.000 bis 17.000 Autos befahren. Die „Operation Larios" betrifft nicht nur die Straße selbst, sondern auch ihr Umfeld.

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Über der Erde wurden wegen der Ästhetik Vordächer und Markisen entfernt und häßliches Terrassenmobiliar verboten. So kommt der attraktive Boden besser zur Geltung: man läuft auf cremefarbenem Marmor, der aus Alicante kommt; der Graue und der Travertino Rojo stammen aus Almería. Der grau-grüne Marmor wurde aus der Sierra Elvira in Granada gebrochen und die grünen Streifen zur Verzierung aus Indien geholt. Die Laternen wurden aus der Originalform aus dem Jahr 1891 gegossen.
Unterirdisch hatte man es mit einem 75 fachen Kabel- und Rohrgewirr zu tun. Bei allen Arbeiten wurde der ehemalige Marktplatz, Plaza de la Constitución, auf den die Straße im Norden mündet, mit einbezogen. Palmen und Apfelsinenbäume geben auch ihm seinen alten Glanz zurück.
Nach einer verkehrsfreien Probezeit von ein paar Wochen haben die etwa 90 Nachbarn sowie die Geschäfts- und Wirtsleute gemeinsam mit der Stadt beschlossen, die Calle Larios und ihre Nebenstraßen ausschließlich zwischen 22.000 und 08.00 Uhr zu befahren. Aber nicht immer ging es mit dem Rückgrat der Altstadt so friedlich zu. Es hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Aufmärsche, Demonstrationen, Paraden, Kämpfe und Feiern auf der „Larios" sind historische Referenzen in der Stadtgeschichte. Sie nahm manchmal den Charakter einer Volksbühne an.
Als sie im Jahr 1891 eingeweiht wurde, hatten die wohlhabenden Anlieger, allen voran ihr Initiator, der Marquis de Larios, zur Feier des Tages eine Kutschenparade organisiert. Nachdem alle Festredner ihre Sprüche aufgesagt hatten, fuhren die geputzten Gespanne vom Marineplatz am Hafen in die Straße ein und wurden programmgemäß mit Tausenden von Blumen von den aufwendig geschmückten Balkons beworfen. Da plötzlich ging etwas sehr schief: die Bürger, die zum Leid der Feiernden von den Festlichkeiten nicht ausgeschlossen werden konnten, waren über die schamlose Zurschaustellung von Prunk und Wohlstand empört und begannen die in der Menge feststeckenden Fahrzeuge und ihre Passagiere mit weniger duftenden Gegenständen zu bewerfen. Die Kutscher verteidigten sich mit der Peitsche, die Pferde scheuten, und die illustren Fahrgäste und ihre Beschützer mussten unter dem Gespött der Menge in die Häuser flüchten. Nur durch ein Wunder floss kein Blut. Die Feier endete mit einem Spektakel, der in der Presse des Landes ironisch kommentiert wurde.

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